Beteiligung: engagiert contra unbeteiligt
Dem fairen Streiter liegt etwas daran, eine Änderung herbeizuführen. “Foul” wäre gleichgültige Passivität: “Laß mal reden, wenn ihm danach ist!”
Ausdruck: offen contra verkappt
Es ist fair, dem Partner offen und klar mitzuteilen, was mich an ihm stört. “Foul” wäre es, “hinten herum” versteckte Spitzen anzubringen. Ein Kennzeichen offener Kommunikation ist die Übereinstimmung von verbaler und nichtverbaler Mitteilung. Der Gegensatz dazu wäre z.B. wenn einer mit freundlicher Miene und sanftem Ton seinem Partner verletzende Gemeinheiten sagt.
Verantwortung: persönlich contra anonym
Fair ist es, bis in die Formulierung hinein deutlich zu machen, dass ich persönlich verantworte, was ich sage, und selbst dahinterstehe. Es hilft meinem Partner mehr, wenn ich ihm z.B. mitteile: ”Wie du mich gestern angefahren hast, das hat mich verletzt”, als wenn ich mich hinter anonymen Größen verberge und sage: “Man schreit einen Freund nicht an, oder: Alle sagen es, dass du dich nicht beherrschen kannst!” oder, noch fouler: “Ich habe von jemandem gehört – ich kann dir nicht sagen, von wem – dass sich viele über dich ärgern”.
Humor: befreiendes Lachen contra Sarkasmus
Wenn beide gemeinsam über ihre Situation lachen können, haben sie eine schwierige Hürde genommen. Wenn einer sich über den anderen lustig macht und ihn durch zynische Witze demütigt, verdirbt er die Atmospäre.
Verständigung: Rückmeldung contra “Gedankenlesen”
Viele Menschen setzen merkwürdigerweise voraus, ihr Partner wüsste von selber, was in ihnen vorgeht, und sie wüssten genau darüber Bescheid, was der Partner denkt. Statt sich gegenseitig zu informieren und zu fragen, leben sie es einander als Bosheit aus, wenn einer am anderen vorbeiredet und handelt.
Schlagrichtung: Beseitigung der Störung contra “Tiefschlag”
Ganz ohne Verletzungen geht es auch bei einem FAIREN STREIT nicht ab. Wenn ich den anderen auf einen Fehler aufmerksam mache, muß ich ihm auch zumuten, dass es ihn schmerzt. Das Ziel eines fairen Streites ist aber die Beseitigung dessen, was zwischen ihm und seinem Partner steht. Unfaire Kämpfer wollen nicht in Ordnung bringen, sondern verletzen. Ich muß mir also überlegen, ob ich mit meinem Angriff dem Partner einen Tiefschlag versetze, der nur weh tut, aber nichts besser macht. Mein Angriff ist nur dann fair, wenn der Partner auch in der Lage ist, sich an dieser Stelle zu ändern.
Konzentration: Eine Sache contra alles Mögliche
Wer sich auf einen einzigen Punkt beschränkt und diesen so konkret wie möglich beschreibt, streitet fair. Die meisten Streitereien scheitern daran, dass ein Gewirr von allen möglichen Vorwürfen durcheinandergemischt wird, so dass man selbst bei gutem Willen nicht mehr weiß, wo man mit einer Änderung ansetzen soll.
Aktualität: Hier und jetzt contra “Museum”
Viele streitende Partner richten in ihrem Innern ein “Museum” der Verletzungen ein, aus dem sie jederzeit Munition für fruchtlose Auseinandersetzungen holen können. Nun kann es gewiß weiterhelfen, wenn die beiden sich einmal zusammensetzen, um die belastenden Vorfälle der Vergangenheit durchzusprechen und ein für allemal auf die Seite zu räumen. Wenn aber immer wieder dieselben Dinge aus vergangenen Zeiten in den Streit einbezogen werden,
kommt es zu keiner Lösung. Deshalb beschränken sich faire Streiter auf aktuelle Streitigkeiten, die hier und jetzt bearbeitet werden können.
Wirklichkeitsnähe: Realistisch contra wirklichkeitsfremd
Klage und Änderungswunsch müssen sich auf reale Gegebenheiten beziehen und diese müsen auch beim Namen genannt werden können. Wenn einer sagt: ”Du bist manchmal so komisch” – aber nicht beschreiben kann, welches Verhalten er eigentlich meint, ist es kaum möglich, sinnvoll darüber zu streiten. Ebenso sollte der Angegriffene bei seiner Antwort die eigenen Möglichkeiten einer Änderung realistisch einschätzen und sich nicht damit begnügen, dass es “irgendwie schon gehen wird”. Ein häufiger Ausdruck wirklichkeitsfremder Auseinandersetzung ist der Ausspruch junger Paare:” “Hauptsache wir lieben uns!”. Gemeint ist: Weil uns so sehr lieben, werden sich all unsere Konflikte von selbst lösen.
Quelle: Frör, Spiel und Wechselspiel, München 1974, Seite 80 – 88
Beitrag u. Redaktion: Waltraud T.